Eine Reise in Peru
Von Cuzco nach Puno -quasi vom Machu Pichhu zum Titicaca See- lässt man sich für gewöhnlich auf eine 7-stündige Fahrt ein. Im Nachtbus vergehen die 400km also wie im Schlaf, sollte man meinen. Doch man wäre nicht wirklich in Peru, wenn nicht der ein oder andere indigene Dorfbewohner versuchen würde, seine Rechte mittels Strassenblockaden durchzusetzen. Gut koordiniert Steine auf die Strasse zu rollen ist dabei ein probates Mittel. Nicht nur, um auf die Misstände im Land aufmerksam zu machen, sondern auch um diversen Individualturisten ein kleines Abenteuer zu verschaffen.
Lange Geschichte kurz erzählt: Bus fährt beinahe planmässig 20:08 Uhr ab, fährt 2 Stunden, bleibt stehen. Es ist dunkel und kalt. Der Fahrer möchte wohl gern Strom und Diesel sparen. Oder er ist ein gesuchter Schwerverbrecher und macht deswegen alle Lichter aus. Gegen Mitternacht macht sich unter den geschätzten Fahrgästen Unruhe breit. Die Leute können nur mutmassen, dass die vor uns liegende Strassenblockade bequem zu Fuss zu überbrücken ist. Kurz vor 3 Uhr morgens gibt der Fahrer bekannt, bei Sonnenaufgang zurück nach Cuzco zu fahren. Schlechte Idee. Also machen sich bummelig 30 Leute zu Fuss auf den Weg. Vorbei an der Schlange aus Autos, Bussen und LKW, hin zur ersten Blockade.
Aus der Distanz ein netter Anblick. Indianer versammelt um ein üppiges Lagerfeuer. Feuerwasser ist wohl auch im Spiel. Ein schönes Häufchen Steine haben die da zusammengetragen. Ja es ist kalt morgens um 3 auf ca. 3500m. Schweres Gepäck dabei zu haben und sich hastig zu bewegen hilft dem ein oder anderen den peruanischen Morningblues besser wegzustecken. Oder Humor, Galgenhumor. Man trifft so allerhand Leute, die aus beiden Richtungen versuchen diese erste Blockade zu umgehen und mit Informationen über den weiteren "Reiseverlauf" auch nicht geizen. Zeit und auch der Begriff der Distanz sind in Peru recht unbekannte Konzepte, wie sich später herausstellen wird. Jedenfalls gibt der Sonnenaufgang Kraft und besänftigt die übernächtigte Seele und die geschundenen Füsse.
Im Tageslicht lassen sich auch Landkarten viel besser lesen und es stellt sich gegen Mittag heraus, dass nicht nur der Magen knurrt, sondern wohl zwischen Checacupe and Sicuani ca. 50km überbrückt werden müssen, um an das andere Ende der Strassenblockade zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt wird nur spekuliert, dass dort evtl. ein Bus mit adequaten Kapazitäten verzweifelt auf Passagiere zur Weiter- bzw. Rückfahrt nach Puno wartet. Ab und an ist es möglich, einen Streikbrecher zu finden, der sein Moped als Anlagevermögen betrachtet und dies durch Transportentgelte zu finanzieren versucht. Fahrer, 2 Passagiere mit Gepäck nennt man dann "gut ausgelastet". Mit Glück findet man auch ein Tuk Tuk oder gar einen Minibus um ein paar hundert Meter zu schinden. Es wird irgendwann langweilig, sich von einem Streikposten zum nächsten zu hangeln.
Uhrenvergleich in Sicuani; es ist doch schon 17 Uhr. Die Bilanz, niederschmetternd. 35 von 50 km zu Fuss zurückgelegt. 15 weitere auf Mopeds, Ladeflächen von Viehtransportern, Tuk Tuks und ähnlichem. Auf der nun erreichten anderen Seite der Blockade ist es ein Einfaches einen entsprechenden Bus zu finden, der für Geld bereit ist umzudrehen -aus seiner Sicht- und den armseeligen, übriggebliebenen Haufen Individualturisten nach Puno zu transportieren. Nach schlappen 3 Stunden ist auch diese Fahrt überstanden. Am Ende der exakt 24 stündigen Reise freut man sich auf eine freundliche Hospedaje und eine heisse Dusche. Doch man realisiert schnell, dass die Klemptnereiarbeit in Peru zu wünschen übrig lässt und nur zu Hause warmes oder gar heisses Wasser mit einer gewissen Selbstverständlichkeit aus der Wand sprudelt.
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