Gewald im Wald

(Ge)Waldbild-
Es war an einem nebligen Apriltag 2010. Meine WR steigt unermüdlich den Grenzweg des sächsischen Ho(c)hwaldes hinauf. Sachsen im Norden, Tschechien im Süden. Ein gut markierter Trampelpfad- mehr ist die Grenze heute nicht, aber ein schmaler Pfad der ganz feinen Sorte.
Kalt und nass ist es, auch die Anti- Beschlag- Beschichtung der Crossbrille kann bei dem Wetter die Sicht nicht freihalten. Also Brille ab und Sehschlitze auf. Im gedämpften Licht erkenne ich alle wesentlichen Hindernisse, bin nicht zu schnell um im Gelände durchsehen zu können. Was jetzt stört, was zwischen Fahrer und Wald allein sich stellt ist der dezente Ton der Auspuffanlage des unterforderten 400'er Motors. So wünschen sich das viele Endurofahrer im Jahr 2010- wenig Gewicht, wenig Lärm und möglichst schlechtes Wetter damit sich niemand belästigt fühlt.
Zusammenfaselnd könnte man feststecken, bzw. stecke ich fest- in einem Graben, einem dieser Waldwiderlinge, oben schmal und unten schmutzig. Unruhig scharrt der gute
Metzeler UNICROSS im Schleim der letzten Schneeschmelze, vergeblich. Gut, denke ich. Ein kurzer Blick in die Runde verrät eine geruhsame Gesamtsituation denn es droht keine Gefahr durch herannahende Fahrzeuge. Also aus den Motor und ordentlich am Vorderrad gedreht und schön aufgepasst das die WR nicht umkippt... geschafft! Jetzt ist das Hinterrad im Graben, noch Motor an und leise raus aus dem Schlammassel.
STELL ich also lieber fest das dies kleine blaue Ding was ich habe fast nicht stinkt, leise ist und bei entsprechender Bewegungsart kaum den Waldboden bemacht.
So denke ich vor mich hin und freue mich an der günstigen Konstellation, hier ein Bächlein, da ein Sprüngelein.
Als meine Karte endet trete ich den geregelten Rückzug an. Eine Querung der Landstraße bringt mich schnell in die Realität zurück. Der dichte Nebel zwingt mich dazu die Beschilderung der Wege ordentlich zu lesen. Mit dem (nicht vorhandenen) Kennzeichen zur Straße stehend sehe ich im Augenwinkel Bremslicht eines silbernen Geländewagens. Das wird doch nicht etwa ... Sicherheitshalber gehts auf Richtung heimischen Herd durch den Nebel.
Ein paar hundert Meter und schon habe ich das erste Schild nicht lesen können, kurz gedreht und schon kommt eben der Geländewagen mir entgegen. Mit Lichthupe und Schlängellinie will er mich auf dem breiten Weg anhalten. Ich fluche und biege rechtzeitig schimpfend ins Holz. Nach ein paar Minuten und ca. 50 Höhenmeter bergab gelange ich erneut an einen schnellen Weg. Kaum nachgedacht und schon geht es mit angemessener Geschwindigkeit (60) in die Richtung meiner Wahl. Schwerer Fehler! Nach wenigen Biegungen klebt mir der Krepel am Heck und Hupt mich zu. Ich spanne den Abzug kurz auf 80 km/h um Platz zum manövrieren zu bekommen. Mir ist jetzt klar das der sich hier auskennt und das auch bei Nebel!
Dieser geleckte Weg als Austragungsort dieses Interessenkonflikts stinkt mir gewaltig, gefährlich ist er und das muß ich mir nicht geben.
Wie gefährlich er ist merke ich Sekunden später als dicht hinter mir Schotter durch die Kante spritzt, der unbeleuchtete Jeep bedrängt mich links aber das Motorrad war schon nach links zum Abbiegen gekippt. Das war knapp. Ich fahre ein paar Meter in den Fluchtweg. Hier fährt man mit dem Auto ungern rein.
Ein Rentner ist er aber auch nicht wirklich denn er springt aus dem Auto und rennt mir nach. Eigentlich witzig! Aber wo nimmt der Mann das Agressionspotenzial her? Anscheinend hat er schon oft Erfolg mit seiner Tour gehabt und hofft auch dieses Mal zum Ziel zu kommen. Wirkt er doch fast schon routiniert. Nicht mit mir. Ich fluche ihm etwas auf seinen Fußweg und entferne mich undiskret.
Wohin ich fahre weiß ich nicht, meinen Kompass habe ich nicht mit und die Sicht ist bei dem Nebel hier oben höchstens 70 m. Das bergige Gelände sieht harmlos aus aber bei der Sicht kann man schnell in Bedrängnis geraten. Während ich versuche leise, nicht aber langsam zu fahren gehe ich meine Optionen durch.
1. er ist hoch motiviert und hat sich den Abend frei genommen, ich will nur nach Hause
2. er kennt alle wichtigen Wege, ich habe sein Gesicht nicht erkennen können
3. mein Rücklicht geht nicht auszuschalten
4. ein silbergraues Auto ist im Nebel schlecht zu sehen und ist sehr leise
5. da kein Backblech an meinem Motorrad ist könnte ich mich entspannen, aber er darf mich nicht in die Finger kriegen.
Gerüstet mit dieser Erkenntnis schleiche ich durch den Wald. Als ich mich sicher fühle schalte ich den Motor ab und lausche ohne Helm.
Alles ist ruhig, zu ruhig! Der steht hier mit offenem Fenster und lauscht, da bin ich sicher. Mir wird mulmig. Meine Augen tasten die grauen Konturen ab. Die reinste Waschküche, immerhin ein wenig Wind, die Vögel haben auch aufgehört zu singen...
Im Standgas rolle ich langsam bergab, nur keine Fehler! Ein harmloser Umkipper kann mir hier total die Tour verderben. Ich kreuze den ersten großen Weg.
"EINER MÜSSTE HIER MAL ZU EINEM WEGWEISER FAHREN", höre ich mich flüstern. Hab's mir überlegt- ich mach's.
Ok., diesmal klappt es. Endlich habe ich wieder eine Ahnung wo ich bin, obwohl ich schon mal mit dem Rad hier war erkenne nichts. Der Wanderweg in meine Richtung wird mir fast zum Verhängnis. Nach ein paar umgestürzten Bäumen an einem steilen Hang komme ich zu einer Felsenpassage. Heute jedoch nicht! Ich sichere und drehe mit etwas Getöse um, besser ging es nicht.
Endlich komme ich zu einem Gebäudekomplex, eine Ausflugsgaststätte auf 600 m umgeben von gesperrten Wegen. Vorsichtig fahre ich die Gegend ab, kein Auto zu sehen und kein Mensch. Aber was ist das? Durch den Nebel kommt eine Frau, nicht zu unansehnlich, mit dem Mountainbike den Berg hoch, ich entspanne mich. Es gibt noch normale Menschen hier, nicht nur diesen Freak. Ein kurzer Spruch mit der Dame, ganz eigennützig um irgendwie vom diesem Trip zu kommen.
Aber das gibts doch nicht- aus der absoluten Stille schält sich ein anschwellendes Brummen, kaum zu hören zuerst. Ich fackel nicht lange: "Ich muß weg, da kommt dieser Förtser, der will mich ärgern!" Ein Kick und der Motor läuft, was ein Glück das ich mich auf das Starten so gut verlassen kann.
Der steile Trampelpfad ist mit allen Feinheiten gespickt die man sich unter anderen Umständen ersehnt. Große Felsblöcke und enge Passagen, ich weiß noch- damals mit dem MTB hatte ich auch schon meine Not...
Nur einmal setzt die WR unsanft mit den soliden Unterzügen auf. Jetzt bin ich endlich aus dem Nebel raus, also Sicht ca. 200 m auf 400 m Höhe. Das Herz rutscht langsam aus der Hose, welche übrigens auf der ziemlich glatten Sitzbank gar nicht rutscht, wieder an seine vorgesehen Position als ich endlich an dem mir bekannten Bahngleis den Wald verlassen kann und ich freue mich regelrecht eine öffentliche Straße zu erreichen.
Hier schraube ich mein Kennzeichen an.

Welcome to the real world!
DSC04320_1.JPG
Oder ist es doch anders herum?

Warum habe ich die Flucht (nach vorne) angetreten und bin nicht, wie früher, mit gespielter Reue auf den Mann zu? Er hätte mit Sicherheit meinen Ausweis sehen wollen, warum hätte ich ihm den Ausweis denn zeigen sollen. Was hätte er in dem Fall für eine Strategie angewandt um an meine Personalien zu kommen? Erst fragen dann schlagen?
In solch einem Fall hat doch die rechtliche Seite kaum eine Bedeutung für den Ausgang der Veranstaltung. Der Tag ist ohnehin getrübt, ob Recht oder Unrecht, ob Kennzeichen oder Keines! Das bedeutet für mich Abfahrt statt Handgemenge, Distanz statt Beleidigungen.
Ich bin den Schritt der Aufrüstung gegangen und das Kennzeichen trage ich nunmehr im Rucksack.
Nach den eigenen Erfahrungen finde ich das Backblech einfach nur unpraktisch und zu teuer um es im Gelände zu benutzen. Allerdings zeigten die Erfahrungen der letzten Jahre von Freunden, dass es durchaus kein Nachteil sein kann, es zu verbergen. Hier ergab sich in Form von gefährlichen Verfolgungen mit schweren Geländefahrzeugen ein unangemessenes Interesse an der Ergreifung der mit Kennzeichen versehenen Fahrzeuge. Gejagt werden wir also in jedem Fall.
Dabei dürfen offenkundig alle Register gezogen werden. Wenn ein 2- Tonner mit vollem Einsatz hinter einem Motorrad herjagt ist das wirklich sehr gefährlich für den Motorradfahrer und im Staub hat der Verfolger keine Chance einen Fußgänger oder Radfahrer zu sehen. Dessen sind sich die fahrlässigen Waldhüter sicher bewusst, motivieren sich mit der Rechtslage, und riskieren vorsätzlich das Leben von uns Motorradfahrern und das anderer Waldbesucher!
Immer wieder reden wir über das Thema Elektromopeds in diesem Zusammenhang. Mittlerweile bin ich mir unsicher ob man damit dem Problem aus dem Weg gehen kann. Diese Leute machen auch Jagd auf E- Bikes und sei es nur um Dir mitzuteilen, daß Du im Wald nicht fahren darfst! Das Gesetz dazu wird es vielleicht auch irgendwo geben- ich habe keine Ahnung.

Ich bin für Gegenmaßnahmen.
Am wirkungsvollsten wäre es Fallen zu stellen in den entsprechenden Gebieten, fotografieren und dokumentieren der Attacken. Damit dann in die Offensive. Tape



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