Ein Tag bei den Müllers in Abbotsford

Mittwochmorgen, 5:25 Uhr. Der Wecker klingelt. Es ist noch dunkel da draußen in Abbey, sogar die Ratten schlafen noch in ihren Löchern und von den Vögeln ist auch noch nichts zu hören. Genausowenig wie von den Müllers.
5:40 Uhr: Ein leises Rascheln geht durch den Raum. Jemand tapst in der Dunkelheit zum Fenster und öffnet die Jalousinen. Ein Licht! Die Sonne? Nein, leider nur das Außenlicht des Hauseingangs. Ein weiteres Tapsen schließt sich dem Ersteren nach einigen Minuten an. Es ist ein Wasserkocher, Wasser, rascheln und ein klein wenig klappern zu hören. Dann werden zwei Stühle beiseite und wieder Richtung Tisch geschoben. Zwei müde Gesichter schauen sich sehr verschlafen an und frühstücken in aller Stille. Sie haben beide die Outdoor Leadership Sportshirts an und auch sonst sind sie sportlich gekleidet. In einer Ecke stehen vier Rücksäcke, zwei davon für den Sport, in den anderen Studienunterlagen und ein leckeres zweites Frühstück.
6:10: Zeit zum Zähneputzen und losgehen. Die Haustür wird aufgerissen. Rauf auf den Fahrradsattel und los in die kühle Morgenluft zum allmittwöchlichen und gefürchteten „Wednesday Morning Fitness“.
6:29: Angekommen auf den Parkplatz vor der Sporthalle vom CBC. Aufstellen mit den anderen in einer Formation von drei Reihen mit 5 bis 6 Leuten. Ein Platz wird immer leer gelassen als Erinnerung an eine Ex-Studentin, die vor einigen Jahren bei ihrem Job als Skiguide ums Leben gekommen ist. Und schon kommen pünktlich um 6:30 Uhr Heather und Dave, unsere Fitnesstrainer. Nach 60 Hampelmännern und 10-15 Liegestützen als Aufwärmübung sind wir schon ängstlich gespannt, was uns heute wieder erwartet. Wir sind vorbereitet, in unserem Rucksack befindet sich alles was wir brauchen: Kopflampe, zweites Paar Sportschuhe, lange Hose und Shirt, GMRS Walkie Talkies und eine Schwimmbrille. Manchmal gehen wir auf einen Sportplatz und verausgaben uns dort, ein anderes mal in den nächstliegenden Park mit dem betonierten „Discovery Trail“, in dem wir in unserer Freizeit sonst joggen gehen. Aber manchmal gehts auch ab in den Pool! So wie heute. Wir rennen rüber zur Schwimmhalle und ziehen uns superschnell um. Heute müssen wir mit Anziehsachen in den Pool und Zirkeltrining ist angesagt. Zuerst 10 Liegestütze, dann so viele Klimmzüge wie man schafft oder eine Minute lang hängen. Als nächstes rauf auf das 3-Meter-Brett und abspringen. Dann rüberschwimmen, sich an einem Stück hohem Beckenrand hochstemmen und die Treppe zur Rutsche hoch- und runterrennen. Anschließend 20 Sit-ups und 15 Dips (gute Trizepsübung) und dann mit einem Seil ins Wasser schwingen, auf die andere Seite schwimmen und alles nochmal von vorne für ca. 45 Minuten. Ach genau. Am Ende noch als Gruppe ein 5 Kilo Gewicht etwa fünf Minuten lang über dem Wasser halten, wobei man es jeweils dem Nebenmann im Kreis weitergibt. Um 7.30 Uhr sieht man dann 17 erschöpfte Studenten zur Dusche kriechen und sich umziehen.
Gegen 8.20 Uhr genießen wir unser zweites Frühstück mehr oder weniger bevor es dann um 8.30 mit unserem OL Kurs weitergeht. Heute lernen wir etwas darüber, wie man jemanden auf einer Trage so sicher reinschnallt, dass der Verletzte auch nicht rausfallen kann, wenn die Trage vertikal steht oder umgekippt ist und wie die Person vor Regen geschützt werden kann. Bald, sehr bald werden wir das in der sogenannten „Hell Night“ als Echtzeitszenario anwenden dürfen, um es zu üben...
11.30: Der spannende Unterricht ist vorbei und wir radeln müde nach Hause. Für Luna wars das für heute mit Uni. Harry hat nachher noch von 16 bis 17.15 Uhr den Kurs „Schreiben fürs College“ und arbeitet danach in der Collegekantine. Zu Hause angekommen kochen wir leckeres Mittag und entspannen das erste Mal ein wenig an diesem schönen Tag. Es gibt leckeren Reis mit Farmerwürstchen-Erbsen-Möhren-Zimt-Currysoße. Eigentlich sollte der Zimt nicht da rein, aber der Curry wurde mit dem Zimt vertauscht. Was ursprünglich ein Fehler war, entwickelt sich zu einem äußerst leckeren Mahl mit indischem Geschmack (schmeckt wirklich sehr gut!!!). Kochen macht uns großen Spaß. J
Danach werden noch einige Hausaufgaben gemacht für Theologie. Wir lesen ein Kapitel und müssen dazu drei Fragen beantworten und morgen abgeben. Dann müssen wir noch ein Kapitel aus dem Buch „Heaven is a place on earth“ lesen und auch hierzu sechs Fragen beantworten und die Ausarbeitung dann morgen abgeben. Willkommen in der Welt des Lernens. Wenn das erledigt ist, gehen wir noch pappiges Brot (nennen wir es faireshalber halbpappig, schmecken tut es auch ganz gut. Aber... naja... seid dankbar für gutes, deutsches Brot) und eine 4-Liter Milchpackung kaufen (vom Preis her viel billiger als ein Liter), denn beides ist ausgegangen. Also ca. 15 Minuten rüberradeln zu Safeway und einkaufen gehen.

Inzwischen ist es Abend geworden im Hause der Familie Müller. Der Mann kommt von der Arbeit nach Hause und die glückliche Ehefrau hat bereits ein leckeres Abendessen gezaubert. Naja, so ähnlich. Auf jeden Fall sind wir sehr glücklich uns wiederzusehen und genießen den gemeinsamen freien Abend. Zum Abschluss gucken wir noch zwei Folgen der Serie MASH auf DVD und lesen einige Seiten aus dem zweiten Buch der Chroniken von Narnia bevor wir dann gegen 21:30 die Lichter ausmachen, um am nächsten Tag wieder um 5:25 den lieblichen Ton des Weckers zu hören, der uns ungefragt zum Schwimmunterricht weckt... und so geht der stressigste Tag in unserer Woche zu Ende. Mit Dankbarkeit und auch Vorfreude auf das entspanntere Wochenende nur zu zweit. Das war er, ein Tag im Leben der Müllers in Abbotsford. J

Unser Wohnkomplex in der Hill Tout Street.
Abendessen bei den Müllers.


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