Essen - Zeche Zollverein: ca. 1.300 alte Farbfläschchen mit Teerfarben


3 comments so far...

Sonja May 23, 2018, 09:42 AM
Friedlieb Ferdinand Runges Geist und auch der von Karl Aloys Schenzinger muessen auch irgendwo in diesen Flaeschchen eingefangen sein...
M-Fred May 23, 2018, 10:25 AM
Ist es arg schlimm, wenn ich die Namen der beiden Herren noch nie gehört habe?
Gruß Manfred
Sonja May 23, 2018, 04:17 PM
Vermutlich garnicht schlim....

Der Runge extrahierte das Anilin, damals noch Kyanol genannt, aus einer Teerpfuetze und stellte fest das ist ganz das selbe Zeug wie im natuerlichen Indigo das blau macht, und der andere, der schrieb einen langen dicken Roman ueber ihn und ein paar andere Forscher, so von Liebig bis Perkins.

Mein Herr Papa liebte dieses Buch und einige andere von dem Herrn Schenzinger ganz besonders. In seiner Generation war das noch nichts besonderes, da waren das offenbar einigermassen angesagte Buecher, und man schwieg darueber, was der sonst noch geschrieben hat, so vor dem Kriegsende. Ich wuchs also mit den Schenzinger Industrieromanen auf statt mit Hanni und Nanni und so Ponyhofzeug fuer kleine Dirndl, denn die waren eben nicht ganz so bildend und schulisch inspirierend. Mit meiner Inteligenz half es nicht so viel (der Herr Papa wolltesich ja eigentlich eine neue Marie Curie zuechten, wenn er schon keinen Bub hatte), aber manche Figuren, in die konnte ich mich hineinversetzen und die behielt ich in Erinnerung.

Der Runge, so wie Schenzinger ihn schilderte, war einer der Lieblinghelden meiner Kindheit: Ein tollpatschiger unatraktiver Typ, der erfand und fand lauter geile Sachen, nicht nur lichtechte blaue Waeschefarbe ohne Indigo, auch haltbares Essen aus der Dose, chromatographisches Papier, Stearinkerzen und das Koffein im Kaffee, nur mit Menschen konnte er halt weniger gut.

Naturlich kannten den die anderen Kinder in der Schule nicht. Meine Chemielehrerin in der Mittelstufe ist glaube ich der einzige andere Mensch den ich kenne der zugibt das er mal "Anilin"gelesen hat. Aber normal mit dem Inhalt allein konnte die sich auch nicht ausseinandersetzen, denn der Author schrieb mal zu Hitler's Zeiten ein Jugendbuch das verfilmt wurde und heute noch auf dem Index steht, so schlimm muss es wohl sein das er ein Un-Author davon wurde -- jedenfalls wusste ich bis sie es mir sagte davon nix und wenn der Vater es wusste, hat er es wohl nur ganz uninteressant gefunden einfach weil es speziell fuer Jugendliche und gar nicht ueber Wissenschaft und Forschung war.

Und so viel billige fake Sachen aus dem Erdoelabfall, all diese Farben, Aromen, Schmiermittel und so, das will man jetzt ja auch nirgends mehr, zumindest der aufgeklaerte Endverbraucher sieht es gar nicht mehr als Qualitaetsmerkmal an wenn's drin ist, drum sind all die Helden aus den vergessenen Industrieromanen der 50er wie "Anilin" und "Bei I.G. Farben" jetzt auch sicher alle ganz kleine fest verkorkte Flaschengeisterchen, und auch der Verfasser... das ist mir halt bei Deinem Foto wieder eingefallen.
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